Auf einem schwarzweiss gemusterten Hintergrund sind drei illustrierte Männer mit unterschiedlichen Schwindel-Zuständen zu sehen.

Wenn die Welt sich dreht

Schwindel gehört zu den häufigsten Gründen, warum Menschen einen Arzt aufsuchen. Aber die Ursachen für Schwindel sind sehr unterschiedlich. Erfahren Sie, welche Arten von Schwindel harmlos sind – und wann ernstere Gründe dafür verantwortlich sein können.

Waren das wunderbare Zeiten, als wir an der Chilbi aufs Karussell durften – oder auf noch «gröbere» Bahnen. Schnell und immer schneller drehte sich unsere Welt. Lachend suchten wir danach stolpernd den geraden Tritt.

Als Erwachsene finden wir Schwindel nicht mehr lustig. Die meisten von uns kennen das Gefühl, wenn man nach einer langen Nacht mit viel Alkohol erwacht und den Kater im Nacken sitzen hat. Da dreht es im Kopf, Übelkeit steigt hoch – Ursache erkannt. Aber warum genau ist mir nach zu viel Alkohol schwindlig? «Der Alkohol dringt in die Flüssigkeit des Gleichgewichtssystems im Innenohr ein und setzt dort einen falschen Reiz: Das Innenohr meldet dem Gehirn Drehbewegung, während die Augen dem Gehirn signalisieren, dass ich im Bett liege. Diese Diskrepanz führt zu Schwindelgefühlen», sagt Alexander Tarnutzer, Neurologe am Kantonsspital Baden. Ausserdem dämpfe das Nervengift Alkohol die Funktionen des Kleinhirns: Es kommt zu unkoordinierten Bewegungen, der Alkoholisierte torkelt. Das Ganze ist äusserst unangenehm, aber meist kein Grund zur Sorge.

Purzelnde Steinchen im Innenohr

Etwas ganz anderes ist es, wie aus dem Nichts vom Schwindel getroffen zu werden, wenn Schweiss ausbricht, wenn es im Ohr klingelt und man plötzlich nicht mehr klar sieht. Diese Art von Schwindel macht Angst, gerade dann, wenn er ohne erkennbaren Grund auftritt. Dabei sei es wichtig, so Tarnutzer, sich möglichst schnell abzusichern, also: rechts ranfahren, wenn es im Auto passiert; sich hinsetzen, wenn man zu Fuss unterwegs ist. «Die Ursache kann ein gutartiger Lagerungsschwindel sein, wenn etwa kleinste Steinchen im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs herumpurzeln», erklärt Alexander Tarnutzer. Auch hier gilt: unangenehm, aber nicht wirklich gefährlich.

Alexander Tarnutzer mit einem Patienten im Schwindel-Drehstuhl
Alexander Tarnutzer mit einem Patienten im Schwindel-Drehstuhl.

Schwierige Ursachenfindung

In manchen Fällen aber können bedrohlichere Gründe vorliegen. «Plötzlicher Schwindel kann Ausdruck eines Schlaganfalls sein, einer Herz-Kreislauf-Störung oder einer Blutarmut. Das Spektrum ist sehr breit», so der Neurologe. Deshalb ist die Ursachenfindung oft auch sehr schwierig und braucht Zeit. «Schwindel kann prinzipiell jeden treffen; schwerere Fälle allerdings beobachten wir vor allem bei älteren Menschen ab 60, 65 Jahren. Und im höheren Alter sind die Ursachen meist auch ganz andere als in jungen Jahren. Wer unsicher ist, sollte den Hausarzt aufsuchen. «Wenn weitere Abklärungen notwendig sind, wird er den Patienten an einen Facharzt überweisen», rät Alexander Tarnutzer. Der Facharzt entscheidet dann, ob es beispielsweise ein MRI braucht, um eine Diagnose stellen zu können. Die Ursachen können hier von Multipler Sklerose über einen entzündeten Gleichgewichtsnerv bis hin zu Epilepsie reichen. Schwindel ist aber nur selten das einzige Symptom einer gesundheitlichen Störung.

Bei potenziell lebensbedrohlichen Ursachen wie etwa einem Hirnschlag können neben Schwindel und unsicherem Gang unter anderem auch Kopfschmerzen, Erbrechen oder ein typisches Augenzittern auftreten. In solchen Fällen sollte man keine Zeit verlieren, denn beim Hirnschlag zählt jede Minute.

Quelle

Hier geht’s zum Podcast mit Alexander Tarnutzer. Thema: Auslöser von Schwindelattacken.

Auf einem schwarzweiss gemusterten Hintergrund ist eine Illustration eines Mannes zu sehen, der unter einer Gewitterwolke sitzt und mit schmerzverzerrtem Gesicht seinen Kopf hält.

Migräne - Wenn Gewitter im Hirn toben

Unter Migräne (von Französisch: la migraine, der Kopfschmerz) leiden etwa eine Million Menschen in der Schweiz, eine echte Volkskrankheit. Betroffen sind deutlich mehr Frauen als Männer. Um es gleich vorwegzunehmen: Was genau hinter der Migräne steckt, weiss die Forschung noch immer nicht. Verschiedene Mechanismen werden diskutiert, wie z.B. die Theorie einer Übererregbarkeit einzelner Hirnareale, die zu einer Reizüberflutung führt, oder die Hypothese, dass eine Entzündung einzelner Neuronen vorliegt. Zu den Kopfschmerzen kommen Begleitsymptome wie Erbrechen, Schwindel oder Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit. Bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen stellt sich auch eine sogenannte Aura ein, das sind Sehstörungen wie Flimmern oder Blitze vor dem inneren Auge. Ein Migräneanfall kündigt sich meist Stunden vorher an, geht dann in den Anfall über und kann von wenigen Stunden bis zu drei Tagen anhalten. Anschliessend folgt die Rückbildungsphase, in der die Schmerzen nachlassen, bevor die Erholungsphase einsetzt. Migräne ist nicht heilbar, aber es gibt diverse Behandlungsmöglichkeiten. Im schweren Akutfall sind das oft Medikamente, aber auch Entspannungsübungen können Linderung verschaffen. Vorbeugend haben sich etwa Ausdauertraining, Yoga oder autogenes Training als sehr hilfreich erwiesen.

Auf einem schwarzweiss gemusterten Hintergrund ist ein illustrierter Mann mit einem Fussball zu sehen, der mit den Händen sein schmerzverzerrtes Gesicht hält.

Sport - Wenn Schädel zusammenbrechen

Zwei Fussballer im Luftduell vor dem Tor, beide steigen hoch – und krachen mit den Köpfen zusammen. Die Spieler bleiben liegen, Blut fliesst, aber kurz darauf spielen sie weiter, als sei nichts gewesen. Auf Topniveau kommen Teamärzte und Checklisten zum Einsatz, die allfällige Beeinträchtigungen schon auf dem Spielfeld erkennen sollten. Im Amateurfussball ist es wichtig, Symptome wie Schwindel oder Nackenschmerzen ernst zu nehmen und nicht den Helden spielen zu wollen.

Kontrovers diskutiert werden Kopfbälle. In den USA dürfen sie Kinder erst ab zehn Jahren eingeschränkt üben. Uneingeschränkt sind Kopfbälle dort erst ab 13 Jahren zugelassen. Das hat primär juristische Gründe. In anderen Ländern führt man Kinder behutsam an diese Variante des Fussballspiels heran, trainiert die Nackenmuskulatur und die optimale Körperhaltung. Bis heute gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die einen Zusammenhang zwischen Kopfballspiel und langfristigen Hirnschäden klar beweisen würden.

Auf einem schwarzweiss gemusterten Hintergrund ist ein illustrierter Mann zu sehen, der sitzend seine Beine umschlingt und seine Augen und seinen Mund weit aufgerissen hat.

Panikattacken - Wenn Angst die Köpfe lähmt

Angst- oder Panikattacken und Schwindel sind oft eng miteinander verknüpft. Man spricht dann von phobischem Schwindel. Die Betroffenen fürchten sich davor, gewisse Handlungen oder Bewegungen auszuführen, die zum Anfall geführt hatten; schon der Gedanke an viele Menschen, grosse Höhe oder enge Räume kann so einen Schwindelanfall auslösen. Dieser Mechanismus kann sich im Gehirn einbrennen und zu einem phobischen Schwindel führen. In diesen Fällen ist es wichtig, dass der Patient wieder Vertrauen fasst. Dabei haben sich verhaltenstherapeutische Massnahmen sehr bewährt.

Quelle

Zuerst erschienen auf dem Blog des Kantonsspitals Baden.

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