Bildredaktorin Dana Berkovits

«Schlechte Fotos werden nie zu guten Bildern»

Bildredaktorin Dana Berkovits weiss, wie man einen gelungenen Fotojob aufgleist. Im Interview erklärt sie, worauf Unternehmen bei Aufträgen an externe Fotografen achten sollten und welche Punkte ein vollständiges Briefing enthalten muss.

Egal ob Print oder Online – die Qualität der Bilder hat grossen Anteil am Erfolg der Story. Abhängig vom Thema kann die Recherche in den einschlägigen Fotodatenbanken allerdings zeitraubend und frustrierend sein. Für einen einheitlichen Look und authentische Fotos ist es deshalb oft effizienter, einen professionellen Fotografen zu beauftragen. Damit dieser aber weiss, was Sache ist, braucht er ein Briefing. «Je konkreter das Briefing ist, umso näher liegt das Endergebnis bei den Wunschvorstellungen», sagt Bildredaktorin Dana.

Worauf sollte man als Auftraggeber achten?

Ich muss mir vorher überlegen, was ich mit dem Foto will, und den Fotografen entsprechend briefen. Allerdings sollte man die Kreativität nicht mit unnötig detaillierten Vorgaben einengen. Fotografen sind Profis, und oft bekommt man spannendere Fotos, wenn man einen gewissen Spielraum offenlässt. Ein Briefing ist ausserdem keine Einbahnstrasse, die Inputs von Fachleuten sollte man grundsätzlich immer ernst nehmen.

Welche Informationen brauchst du für ein Fotografenbriefing?

Zunächst muss ich den Kontext kennen, in dem das Foto erscheint. Ich lese beispielsweise den Blogartikel und spreche mit dem zuständigen Redaktor. Oft hat der schon relativ konkrete Vorstellungen von den Bildern. Dann muss ich die Platzierung des Fotos kennen. Wird es als Beitragsbild, als Aufmacher oder sogar als Cover verwendet? Wenn ich im Layout wenig Platz zur Verfügung habe und den Artikel nur mit einem Foto bebildern kann, muss sich der Fotograf auf einen möglichst prägnanten Teilaspekt konzentrieren.

Wann bist du mit einem Bild zufrieden?

Wenn das Foto inhaltlich und formal überzeugt und es ohne grosse Nachbearbeitung ins Layout gehen kann.

Stichwort Nachbearbeitung: Wie viel kann man notfalls im Nachhinein am Computer retten?

Aus Mist kann man kein Gold machen. Gute Fotos kann man in der Postproduction besser machen, schlechte Fotos werden aber nie zu guten Bildern. Ausserdem stellt sich immer die Frage, wie viel Aufwand man betreiben kann und will. Und es kommt auf die Anwendung an. Bei einem reinen Symbolbild habe ich auch in der Postproduction mehr Freiheiten als bei einem dokumentarischen Foto, das primär die Realität abbilden soll.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Amateur- und Profiaufnahmen?

Ein Profi weiss im Allgemeinen schon vorher, welches Bild er machen will und was er dazu braucht. Der Amateur knipst hingegen einfach mal drauflos und landet dann vielleicht einen netten Zufallstreffer – vielleicht aber auch nicht. Ausserdem weiss der Profi, wie er unter schwierigen Bedingungen das Maximum herausholt, und kann sich problemlos an unterschiedliche Anforderungen anpassen. Und ganz wichtig: Er ist geübt im Umgang mit Menschen und kann ihnen die Scheu vor der Kamera nehmen.

Gibt es unterschiedliche Anforderungen für Print und Online?

Online müssen Fotos immer «catchy» sein, weil der User viel selektiver unterwegs ist. Man muss mehr auffallen. Die Grenze verläuft aber nicht unbedingt zwischen Print und Online. Bilder müssen auf Facebook oder Instagram ganz andere Kriterien erfüllen als Fotos auf einer Firmenwebsite oder einem Blog. Für diese gelten ähnliche Anforderungen wie im Printbereich. Es geht also eher um die Funktion des Bildes und weniger um den Kanal.

Das Briefing für den Fotografen – ein Beispiel

Wichtig sind organisatorische Hinweise zur Location und klar formulierte Vorstellungen bezüglich Sujets und Optik. Dann bekommt man die Bilder, die man braucht.

Das Grundsätzliche:

  • Wer oder was wird fotografiert?
  • Wo wird fotografiert?
  • Wer ist Ansprechpartner vor Ort?

Die Motive:

  • Motivwahl – Hintergrund/Bezug zum Artikel.
  • Verwendung des Fotos. Online oder Print? Contentbild oder Header/Cover? Hoch- oder Querformat?
  • Zweck des Fotos: Soll es symbolisch, dokumentarisch oder aufsehenerregend sein?
  • Welche Situationen/Motive müssen zwingend fotografiert werden? Was hat allenfalls zweite Priorität?
  • Gibt es Vorstellungen zur Bildsprache? Diese brauchen eine klare Beschreibung, allenfalls ergänzt durch Referenzbilder oder das CI/CD.
  • Was muss die fotografierte Person mitbringen bzw. vermeiden? Betrifft häufig Kleiderwahl oder Make-up.
  • Was muss für das Shooting vorbereitet werden, und wer kümmert sich darum?

Das Formale: 

  • Wann ist die Deadline für die Bilder?
  • Technische Vorgaben
  • Wie werden die Bilder übertragen? An wen? In welcher Auflösung?
  • Wer ist für die Nachbearbeitung zuständig?
  • Sind Lizenzen, Bild- und Nutzungsrechte geklärt? Wer kümmert sich darum?

 

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