Infografiken erstellen: komplexe Themen auf dem Silbertablett
Infografiken bringen komplexe Informationen auf den Punkt. Sie reduzieren umfangreiches Material auf das Wesentliche, machen Zusammenhänge sichtbar und helfen dabei, Zahlen, Abläufe oder Grössenverhältnisse schneller zu erfassen.
Eine gute Infografik ist dabei mehr als hübsch aufbereitete Information. Sie führt das Auge durch den Inhalt und erzählt eine Geschichte, aus der Schritt für Schritt ein Gesamtbild entsteht.
Wann lohnt sich eine Infografik – und wann nicht?
Infografiken spielen ihre Stärke dort aus, wo Informationen komplex werden. Sie zeigen Beziehungen zwischen Daten, ordnen Grössenverhältnisse ein und machen Abläufe sichtbar, die sich im Fliesstext nur umständlich erklären lassen.
Dabei verbinden sie zwei Ebenen: Sie vermitteln Information und schaffen gleichzeitig Orientierung. Leserinnen und Leser müssen Zusammenhänge nicht erst selbst aus mehreren Absätzen oder Tabellen zusammensetzen – die Grafik macht sie sichtbar.
Nicht jedes Thema wird allerdings als Grafik besser. Bevor Sie Aufwand investieren, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Inhalt.
Gut geeignet sind:
- Vergleiche und Grössenverhältnisse
- Prozesse und Abläufe mit mehreren Schritten
- Entwicklungen über einen Zeitraum
- technische Zusammenhänge, die sich mit Worten nur mühsam erklären lassen
- Zahlenmaterial, das erst in Beziehung zueinander Bedeutung gewinnt
Weniger geeignet sind:
- Themen mit zwei, drei Datenpunkten – dafür genügt ein Satz
- Zahlen, die sich laufend ändern – sofern die Grafik nicht einfach aktualisiert werden kann
- Inhalte, die vor allem emotional wirken sollen; dort ist eine gute Fotografie oft stärker
- Botschaften ohne klare Kernaussage – eine Grafik schafft keine Ordnung, die inhaltlich fehlt
Wenn Sie die Kernaussage nicht in einem Satz formulieren können, ist das Thema für eine Infografik noch nicht reif.
Was macht eine gute Infografik aus?
Eine gute Infografik hat eine klare Botschaft und eine erkennbare visuelle Hierarchie. Die wichtigsten Informationen fallen zuerst ins Auge, Details folgen dort, wo sie zum Verständnis beitragen.
Gestaltung ist dabei kein Selbstzweck. Farben, Typografie, Symbole und Illustrationen helfen, Informationen zu ordnen und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Idealerweise folgt die Grafik dem Corporate Design und ist damit auf den ersten Blick der Marke zuzuordnen.
Ebenso wichtig ist die Dramaturgie: Eine gute Infografik führt durch den Inhalt, statt alle Informationen gleichzeitig zu präsentieren.
Häufige Fehler bei Infografiken
- Zu viele Datenpunkte. Wer alles zeigt, zeigt nichts. Streichen Sie, bis nur noch das Nötige übrig ist.
- Irreführende Skalen. Abgeschnittene Achsen können kleine Unterschiede grösser erscheinen lassen, als sie sind – und damit die Aussage verzerren.
- Schrift zu klein. Was am Desktop lesbar ist, verschwindet auf dem Smartphone. Prüfen Sie die Grafik immer in der kleinsten Ansicht.
- Fehlende Quellenangabe. Ohne Herkunft der Daten bleibt jede Zahl eine Behauptung.
- Gestaltung ohne Markenbezug. Eine beliebig gestaltete Grafik verschenkt die Chance, auch Ihre Marke sichtbar zu machen.
Wie lässt sich eine Infografik umsetzen?
Statische Infografiken sind der Klassiker: ein festes Bild für Print, PDF oder Social Media. Sie müssen ohne Erklärung funktionieren, weil sie sich nicht bedienen lassen.
Interaktive Infografiken laden dazu ein, selbst zu entdecken. Tooltips, aufklappbare Ebenen oder Filter geben Vertiefung nur jenen, die sie wollen. Das erlaubt mehr Informationstiefe, ohne die Übersicht zu verlieren, setzt aber eine digitale Umgebung voraus. Wie das aussieht, zeigt unsere Werkschau Energiekompetenz mit Infografiken aus Projekten für Schweizer Energieunternehmen.
Animierte Infografiken führen durch einen Ablauf, indem sie Schritt für Schritt aufbauen. Sie eignen sich besonders für Prozesse und Entwicklungen und funktionieren gut auf Social Media.
Infografik-Typen nach Inhalt
Datenvisualisierungen stellen Zahlenmaterial in den Mittelpunkt: Diagramme, Karten, Zeitreihen. Hier trägt die Aussagekraft der Daten, nicht die Illustration.
Prozess- und Erklärgrafiken zeigen, wie etwas funktioniert oder abläuft. Sie kommen oft ohne Zahlen aus und leben von einer klaren visuellen Führung.
Vergleichsgrafiken stellen Werte nebeneinander und machen Verhältnisse auf einen Blick erfassbar.
Zeitstrahlgrafiken zeigen Entwicklungen über einen Zeitraum – von der Firmengeschichte bis zum Projektverlauf.
Karteninfografiken verorten Daten geografisch. In der Schweiz besonders dankbar, weil sich Unterschiede zwischen Kantonen oder Sprachregionen sofort zeigen.
Welches Format passt zu Ihrem Thema?
| Was Sie zeigen wollen | Passendes Format |
|---|---|
| Werte im Vergleich | Vergleichsgrafik |
| Entwicklung über die Zeit | Zeitstrahl |
| Räumliche Unterschiede | Karteninfografik |
| Ablauf in mehreren Schritten | Prozessgrafik |
| Funktionsweise erklären | Erklärgrafik |
| Aufbau Schritt für Schritt vermitteln | Animierte Infografik |
| Viele Daten für unterschiedliche Interessen | Interaktive Infografik |
Was ist der Unterschied zwischen einer Infografik und einer Illustration?
Eine Illustration visualisiert ein Thema oder eine Idee und kann dabei vor allem Atmosphäre und Emotion vermitteln. Sie muss keine konkreten Daten oder Fakten transportieren.
Eine Infografik hat eine andere Aufgabe: Sie macht Informationen, Zusammenhänge oder Daten verständlich. Gestaltung und Illustration dienen dabei der Information – nicht umgekehrt.
So unterscheiden sich gedruckte und digitale Infografiken
In Printmedien muss eine Infografik auf Anhieb funktionieren. Der verfügbare Raum steht fest, Interaktionen sind nicht möglich und zusätzliche Erklärungen lassen sich nicht einblenden.
Digital stehen mehr Möglichkeiten offen: Infografiken können responsiv aufgebaut, animiert oder mit interaktiven Elementen wie Tooltips, Filtern und Verlinkungen ergänzt werden. Das schafft zusätzliche Informationstiefe – stellt aber auch höhere Anforderungen an die Konzeption und die technische Umsetzung.
Wie Infografiken auf allen Bildschirmen funktionieren
Eine Grafik, die als einzelnes Bild angelegt ist, schrumpft auf dem Smartphone samt Schrift mit. Was am Desktop gut lesbar wirkt, ist auf 375 Pixel Breite oft nicht mehr entzifferbar. Drei Ansätze lösen das:
Text vom Bild trennen. Wird die Beschriftung als HTML oder SVG umgesetzt statt ins Bild eingebrannt, bleibt sie in jeder Grösse scharf und lesbar und ist zugleich für Suchmaschinen und Screenreader zugänglich.
Vom Querformat zum Hochformat wechseln. Statt eine breite Grafik zu verkleinern, wird sie auf kleinen Bildschirmen neu angeordnet: Was nebeneinander stand, steht untereinander. Das erfordert, die Grafik von Anfang an in Bausteinen zu denken.
Eine mobile Variante anlegen. Bei komplexen Grafiken ist eine reduzierte Zweitfassung mit weniger Datenpunkten und grösserer Schrift oft ehrlicher als jeder Anpassungsversuch.
Der Test ist simpel: Öffnen Sie die Grafik auf dem Telefon. Was Sie dort nicht lesen können, sieht Ihre Zielgruppe auch nicht.
Mehrsprachigkeit von Anfang an mitdenken
In der Schweiz bleibt es selten bei einer Sprachversion. Das hat konkrete Folgen für die Gestaltung: Französische Texte benötigen häufig mehr Platz als die deutsche Version.
Wer von Beginn an mit Platzreserve gestaltet und den Text von der Grafik trennt, statt ihn ins Bild einzubrennen, spart sich mehrere Layoutrunden. Bei digitalen Infografiken lässt sich der Text so sogar austauschen, ohne die Grafik neu zu bauen.
Infografiken, SEO und Barrierefreiheit
Text, der nur innerhalb einer Grafik steht, ist für Suchmaschinen und Screenreader deutlich schlechter zugänglich als HTML-Text. Mit einigen grundlegenden Massnahmen verbessern Sie die Zugänglichkeit – und unterstützen gleichzeitig die Suchmaschinenoptimierung:
- Aussagekräftige Alt-Texte. Beschreiben Sie, was die Grafik zeigt und welche Aussage sie trifft.
- Kernaussage zusätzlich als Text auf der Seite. Was in der Grafik steht, sollte auch im HTML stehen. Das hilft Google wie Menschen mit Screenreadern.
- Sprechende Dateinamen, die das Thema enthalten.
- Bei interaktiven Grafiken echtes Markup verwenden statt Schrift ins Bild zu brennen.
- Kontraste und Schriftgrössen prüfen. Was gestalterisch elegant wirkt, ist manchmal schlicht nicht lesbar.
Am einfachsten ist es, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken. Dann lassen sich viele Anforderungen bereits bei Konzeption und Gestaltung berücksichtigen.
Infografik selbst erstellen oder erstellen lassen?
Für einfache Grafiken reichen Tools wie Adobe Express, Canva oder Piktochart oft aus. Voraussetzung ist allerdings, dass die Daten bereits aufbereitet sind und die Kernaussage feststeht.
Denn das Tool ist selten die eigentliche Herausforderung. Anspruchsvoll wird es, wenn Daten zuerst geprüft und reduziert werden müssen, mehrere Sprachversionen vorgesehen sind, die Grafik zum Corporate Design passen oder über verschiedene Kanäle hinweg funktionieren soll.
Dann liegt die eigentliche Arbeit im Weglassen. Ein Template kann nicht entscheiden, welche drei von fünfzehn Zahlen eine Geschichte tragen. Das ist redaktionelle Arbeit.
Genau hier setzen wir an: von der inhaltlichen Reduktion über das Storyboard bis zur fertigen Grafik. Mehr dazu auf unserer Seite zum Content-Design.
So entsteht eine Infografik
Unabhängig davon, ob Sie selbst gestalten oder uns beauftragen – der Weg zu einer guten Infografik verläuft in fünf Schritten:
- Kernaussage festlegen. Was soll hängen bleiben? Dieser eine Satz steuert alle weiteren Entscheidungen.
- Daten sichten und prüfen. Woher stammen die Zahlen, wie aktuell sind sie, tragen sie die Aussage wirklich?
- Reduzieren und strukturieren. Aus dem Material wird ein Storyboard: Was kommt zuerst? Was folgt? Was fällt weg?
- Gestalten. Erst jetzt geht es um Farben, Typografie und Bildsprache – im Rahmen Ihres Corporate-Designs.
- Prüfen und aufbereiten. Kontrolle auf Korrektheit, Lesbarkeit in der kleinsten Ansicht und Aufbereitung für die vorgesehenen Kanäle.
Was ein gutes Briefing enthält
Je klarer die Ausgangslage, desto schneller entsteht eine gute Grafik. Diese Angaben helfen:
- Datenquellen und wie aktuell sie sind
- Kernbotschaft in einem Satz
- Zielgruppe und ihr Vorwissen zum Thema
- Kanal und Format, auf dem die Grafik erscheinen soll
- Sprachversionen, die vorgesehen sind
- Gestaltungsvorgaben wie Corporate Design oder bestehende Grafiken
Woran sich Aufwand und Kosten bemessen
Wie viel eine Infografik kostet, hängt stark davon ab, wie viel Vorarbeit und gestalterische Umsetzung nötig sind. Diese Faktoren beeinflussen den Aufwand:
- Zustand der Daten. Liegen sie aufbereitet vor oder müssen sie erst recherchiert und geprüft werden?
- Statisch oder interaktiv. Interaktive Grafiken brauchen zusätzlich Konzeption und Umsetzung.
- Anzahl Sprachversionen.
- Korrekturrunden. Je mehr Beteiligte mitreden, desto mehr Schlaufen.
- Kanalvielfalt. Eine Grafik, die in Print, auf der Website und auf Social Media funktionieren soll, braucht mehrere Formate.
Und dann? Infografiken sichtbar machen
Eine gute Infografik kann weit über ihren ursprünglichen Einsatz hinaus wirken. Sie lässt sich auf Social Media teilen, in Fachmedien einsetzen oder auf anderen Websites aufgreifen. Wie Sie Inhalte gezielt in Umlauf bringen, lesen Sie in unseren Beiträgen zur Content-Distribution.
Infografiken: Beispiele aus unserer Arbeit
Die folgenden Grafiken stammen aus unseren Werkschauen zu Energiekompetenz sowie Gesundheitskommunikation, wo wir unter anderem Infografiken aus Projekten für Energieunternehmen und Spitäler zeigen.
Häufige Fragen (und Antworten) zu Infografiken
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Was ist eine Infografik?
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Eine Infografik macht Daten, Abläufe oder komplexe Zusammenhänge visuell verständlich. Anders als bei einer Illustration steht dabei die Vermittlung von Informationen im Zentrum.
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Wie lange dauert die Erstellung einer Infografik?
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Das hängt von der Komplexität und der Qualität der Grundlagen ab. Liegen die Daten aufbereitet vor und steht die Kernaussage fest, geht es deutlich schneller. Müssen Inhalte erst recherchiert, geprüft und reduziert werden, kann die Vorarbeit mehr Zeit beanspruchen als die eigentliche Gestaltung.
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Woher dürfen die Daten für eine Infografik stammen?
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Nutzen Sie möglichst verlässliche und aktuelle Quellen, etwa von Ämtern, Forschungsinstituten, Studien oder Branchenverbänden. Geben Sie die Quelle und das Erhebungsjahr direkt in der Grafik an. So bleibt nachvollziehbar, woher die Daten stammen.